ENRIO Statement

Forschung in Zeiten der COVID-19-Pandemie

16. April 2020

Statement des European Network of Research Integrity Offices zu Forschung in Zeiten der COVID-19-Pandemie (April 2020) – Übersetzte Fassung

Mit Blick auf die Notwendigkeit belastbarer und aussagekräftiger Forschungsergebnisse betont das European Network of Research Integrity Offices (ENRIO; www.enrio.eu), wie wichtig die Einhaltung der Regeln guter wissenschaftlicher Praxis in der aktuellen COVID-19-Krise ist, und gibt dazu folgende Erklärung ab:

Es ist nachvollziehbar, dass die COVID-19-Pandemie unmittelbar zu umfassenden Forschungstätigkeiten im medizinischen und nichtmedizinischen Bereich geführt hat. Regierungen, Institutionen und die Öffentlichkeit erwarten von Forscher*innen zuverlässige Daten und solide Schlussfolgerungen, auf deren Basis sie vertrauensvoll bedeutsame politische Entscheidungen zum Gesundheitswesen, zu Wirtschaft und Gesellschaft treffen können.

 

Die hohe Dringlichkeit, die COVID-19-Pandemie zu verstehen und zu überwinden, kann Forscher*innen dazu verleiten, ethische Standards und die Einhaltung der Bestimmungen zur Biosicherheit zu vernachlässigen, oder den Forschungsprozess abzukürzen, um zu schnelleren Ergebnissen zu kommen und dadurch den Entscheidungsprozess zu beschleunigen.

 

Wenngleich rasche Ergebnisse in dieser Krisensituation dringend erforderlich sind, gibt es keine Entschuldigung für schlechte Forschungspraktiken. Einige mangelhaft konzipierte Studien wurden bereits veröffentlicht. In den Medien tauchten umstrittene Aussagen und unbewiesene Behauptungen von Forscher*innen auf, die umgehend angezweifelt wurden, und zu Irritationen und Vertrauensverlust in der Öffentlichkeit geführt haben.

Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat Regeln aufgestellt, die eine zuverlässige, von Expert*innen überprüfte und vertrauenswürdige Forschung gewährleisten sollen. Die Missachtung dieser Regeln wird die Wissenschaft nachhaltig schädigen, denn schlechte Forschung verzerrt unser Wissen über COVID-19 und behindert oder verzögert unsere Bemühungen, die Pandemie zu beenden und Leben zu retten.

 

Forscher*innen sollten ihre Arbeit in sozialen und anderen Medien verantwortungs-bewusst, professionell und transparent kommunizieren. Subjektive oder unbegründete
Interpretationen sind zu vermeiden, Informationen dürfen nicht absichtlich weggelassen werden. Die Aushöhlung wissenschaftlicher Integrität untergräbt das Vertrauen unserer Kolleg*innen, der Öffentlichkeit und politischer Entscheidungsträger*innen. Gerade Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sollten, als vertrauenswürdige Förderer guter Forschungspraktiken, besonders aufmerksam bei der Erkennung und Aufdeckung schlechter und/oder betrügerischer Praktiken sein, um die Öffentlichkeit vor übereifrigen, unvorsichtigen oder gar gewissenlosen Forscher*innen zu schützen.

 

Als Netzwerk von „Research Integrity“-Organisationen aus ganz Europa fordern wir alle Mitglieder der Wissenschaftsgemeinschaft auf, zum Wohl der Menschheit jetzt und in Zukunft die höchsten Integritätsstandards bei der Durchführung von Forschung und der Kommunikation ihrer Ergebnisse zu beachten.

 

ENRIO Statement 16 April 2020 (Download)

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